Landleben



Jahr für Jahr bauen die Schwalben ihre Nester unter meinem Dach. Wenn die Jungen geschlüpft sind, schauen sie neugierig, was unter ihnen so geschieht. Sie hüpfen entlang des Dachbalkens und beobachten mich beim Holzhacken. Wenn es ihnen zu unheimlich wird, flüchten sie zusammen ins Nest. Je größer sie werden, desto anstrengender wird die Fütterung für die Schwalbeneltern, es ist nie genug. Dann beginnt der Flugunterricht. Ängstlich sitzen die Jungschwalben auf dem Balken um die ersten Flugversuche zu starten. Die Eltern zeigen es ihnen immer wieder, aber es braucht Zeit, bis die Kleinen soweit sind. Nun segeln sie um die Häuser, als würden sie Abschied nehmen von ihrem Heimatort.

In der Morgensonne kauert die Häsin im Gras und knabbert Klee und Löwenzahn. Manchmal legt sie ein rätselhaftes Verhalten an den Tag. Sie scharrt vor dem Haus eine Kuhle in die Kieselsteine und schüttelt seltsam ihren Kopf. Sucht sie Wasser oder Kühlung? Dann begreife ich, sie wetzt ihre Zähne an der Kante des Pflastersteins. Die Schneidezähne der Nager wachsen permanent und sind dann mitunter zu lang. Im Frühjahr saß die Häsin oft morgens und abends minutenlang an der Feuerstelle und starrte zum Haus. Ich untersuchte den Ort und dann wurde mir klar, sie säugte ihren Nachwuchs. Die Junghasen waren unter den Steinen und dem Wildwuchs sicher vor den Augen des Adlers. Zwischenzeitlich hoppeln die Youngsters durch den Garten, aber das ist eine andere Geschichte.

Nachbars Stute Lisa beobachtet den Weg zu meiner Praxis. Sie hat ein exzellentes Gehör und kann Motoren in großer Distanz unterscheiden. Wenn ich vorbeifahre und nicht anhalte, wendet sie sich gelangweilt ab. Bleibe ich stehen, kommt sie brabbelnd angetrabt. Gerne beißt sie herzhaft in einen frischen Apfel oder eine Möhre. Mit ihren weichen Lippen klaubt Lisa die Rosinen vorsichtig von meiner Hand. Einen ganz langen Hals bekommt sie, wenn sie nicht abwarten kann, bis ich den Kern aus dem süßen und saftigen Pfirsich entfernt habe. Lisa ist für manchen Schabernack zu haben, zieht Grimassen und lacht. Und gerne beweist sie mir, dass sie im Galopp schneller ist als mein Auto.

Das ist Hugo, eine verwilderte Hauskatze. Der Kater kontrollierte die Nagerpopulation und durchstöberte den Komposthaufen. Im letzten kalten und schneereichen Winter wählte er das windgeschützte Sofa auf der Terrasse als Schlafplatz. Ich servierte ihm morgens warme verdünnte Milch und kalorienreiche Häppchen mit Wasser. Wenn die Teiche zugefroren sind, haben Tiere Probleme, ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken. Eine Wurmkur heilte seine Durchfälle. Hugo wurde immer zutraulicher, insbesondere nachdem er ein sehr großes Mauseloch entdeckte, meinen Kühlschrank. Kaum öffnete ich die Tür, rannte er in die Küche und wartete vor der Futterquelle. Ein frisch gefüllter Napf machte erste Berührungen zwischen uns möglich. Im Frühsommer verlor er plötzlich an Gewicht und Energie. Hugo war an feliner infektiöser Peritonitis erkrankt, eine unheilbare Virusinfektion. Wir konnten Hugo nicht helfen.       

Seit einigen Tagen streift ein schwarzer Kater durch den Garten, er hat wohl das Revier übernommen. 

Jeden Morgen bei Sonnenaufgang klopfte es in meinen Träumen. Ich wusste nicht, woher diese Geräusche kamen, bis ich schlaftrunken die Terrasse inspizierte. Ein Buntspecht pickte die restlichen Walnüsse von der winterlichen Vogelfütterung durch die Korbwand auf. Kater Hugos Wachposten auf dem Sofa war nicht mehr besetzt und der Specht nutzte seine Chance. Damit wieder Nachtruhe herrschte, legte ich die übrigen Walnüsse frei zugänglich auf den Boden. Der Specht kam angeflogen, schaute erst durch das Fenster, wer ihm das Essen darbietete, und fing an, eine Nuss nach der anderen zu knacken. Am Abend war er fertig.







 
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